Wieder einmal Nostalgie


Ich habe beinahe das Gefuehl, dass man mit zunehmenden Alter immer oefters an seine Jugend zurueck denkt – zumindest an bestimmte Einzelheiten oder Ereignisse.

Vor und waehrend des zweiten Weltkrieges habe ich auf dem Land in Schlesien gelebt und wie schon bewiesen, konnte ich davon zumindest ’ne Menge Bilder retten.
Wir hatten Huehner, Schweine, Kuehe, Pferde usw. usw. und waren weitgehend Selbstversorger, wenn es zum Essen kam. Meine Mutter konnte gut naehen und hat fuer viele in der groesseren Familie Kleidung genaeht.
Wir haben also auch waehrend des Krieges nicht hungern oder frieren muessen. Ich weiss auch, dass wir vieles an Lebensmitteln verkauft haben.
Das aenderte sich schlagartig, als wir vor der russischen Armee nach dem damaligen Sudentendeutschland in die Stadt Saaz fliehen mussten, wo die Russen eines morgens vor der Tuer standen. Wohin nun – also wieder zurueck in meinen Geburtsort, was auch die Mehrzahl der anderen Bewohner gemacht hatte. Aber nun war nichts da, was man kaufen konnte, abgesehen davon, dass es sowieso keine Geschaefte oder irgend etwas gab. In diesen folgenden Hungerjahren, habe ich auch Katzen, Hunde und Spatzen gegessen. Letztere haben wir Jungens mit selbstgebauten Steinschleudern erlegt. Zwar lag genug Gewehre und Munution rum, aber damit kann man keine Spatzen schiessen, da waere nichts uebrig geblieben. Uebrigens waren einige Felder vermint und man musste vorsichtig sein.
Spaeter hatten wir ein russisches Kommando in unserem Ort, dass einige Leute beschaeftigte und dafuer bekamen die arbeitenden etwas zu essen, was sie dann mit Familiengliedern teilten. Also keiner hatte Schwierigkeiten mit Uebergewicht, bei den meisten konnte man die Rippen sehen. Es war nicht ungewoehnlich, dass man 2 oder 3 Tage ueberhaupt nichts zu essen bekam. Maenner gab  es kaum, die waren noch in Gefangenschaft, falls ueberhaupt am Leben.

Langsam wurden immer mehr Deutsche aus Schlesien rausgeschmissen, wozu ich auch gehoerte. Um die Sache hier nicht zu lang zu machen. Ich kam im November 1946 zu meinem Onkel und Tante nach Hamburg –  meine Mutter und meine beiden Schwestern schafften es erst viele Jahre spaeter in den Westen, weil sie in der damaligen Ostzone haengen blieben.

Wer nun denkt, dass nun alles in Ordnung waere – weit gefehlt. Hamburg war weitgehend ausgebombt und auch hier fror man im Winter. Aber immerhin gab es Lebensmittelmarken so in der Art wie diese von 1946.

Habe hier was falsch gemacht. Das Bild er Lebensmittelkarte ist weiter unten.

Gut wir hatten zwar Lebensmittelkarten, was die Versorgung kontrollieren sollte, aber das bedeutete keineswegs, dass man darauf immer etwas bekam, denn die Geschaefte waren oft leer. Ausserdem durfte man sich fuer alles in langen Schlangen anstellen.
Erst am Tage der Waehrungsreform wurde es ploetzlich besser und man brauchte keine Lebensmittelkarten mehr.
Es gab damals oft spezielle Geschaefte – wohl ein Ueberbleibsel aus alten Zeiten.
Fisch kaufte man im Fischgeschaeft – Milch, Eier und Butter im sogenannten Milchgeschaft und im Kolonialwarengeschaeft die meisten anderen Lebensmittel.
Man nahm sich auch nichts selber, sondern fragte die Bedienung was man haben wollte und die nahmen es dann vom Regel, wie heute vielleicht noch in der Apotheke. So war es jedenfalls auch noch nach der Waehrungsreform.
Wenn ich heute das mit den riesigen Supermarkt vergleiche, in denen nicht nur alle Lebensmittel, sondern Kleidung und sonstiger Kram verkauft wird.

Nach dem Kriege war man zumindest etwas sicherer, dass man nicht zerbombt oder erschossen wurde. Aber 100% sicher ist man auch heute nicht.
Trotzdem geht es uns heute verglichen mit den „guten alten Zeiten“ grossartig.
Warum noergeln die Leute und streiken – koennen sie den Rachen viel voll genug bekommen? Auch nach dem Krieg, als wir alle nichts hatten und jeder froh war etwas zu essen zu bekommen und nicht mehr zu sehr frieren musste, schienen die Leute zufriedener als heute.

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Über khecke

I was born in Lower Silesia and moved to Hamburg after the war. In 1957 I moved to America and lived the longest time in and around Chicago. January 1994 I retired and moved to Northwest Arkansas. I'm married to Ruth since November 1959 and very happy with her. Plenty of hobbies and never bored.
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11 Antworten zu Wieder einmal Nostalgie

  1. Lemmie schreibt:

    Lieber Karl-Heinz!
    Damals ging es alles gleich schlecht, niemand sah voll Neid auf den, der mehr hatte. Es ging ums einfache Überleben.
    Heute haben wir keine Existenzsorgen, doch die Gier nach mehr ist enorm groß.
    Lieben Gruß
    Lemmie

  2. picola9011 schreibt:

    Lieber Karl Heinz,ja die Zeit damals war für alle nicht leicht.Ich denke die Jugend von heute kann sich das gar nicht vorstellen.Ich bewundere noch heute meine Mutter ,wie sie es schaffte uns alle satt zu bekommen.Und es ist schon richtig,,auch mir geht es so,je älter ich werde um so mehr denke ich an die Jugendzeit zurück.Aber dennoch sollte man den Blick an das hier und jetzt nicht verlieren.LG.Erika

  3. Monika schreibt:

    Lieber Karl Heinz,

    ich folge Ihrem Blog nun schon seit über einem Jahr und freue mich immer, wenn Sie einen neuen Eintrag veröffentlichen.

    Ich bin eine Generation jünger als Sie (1960 „im Westen“ geboren). Mein Vater aber ist aus Schlesien, aus Grüben, das – soweit ich mich erinneren kann – nicht weit von Oppeln entfernt ist. Seine Familie flüchtete von den Russen nach Sachsen und mein Vater kam dann 1959 unter abenteuerlichen Umständen nach Mannheim.
    Er konnte so herrlich von seiner schlesischen Heimat erzählen, dass ich Sehnsucht bekam, mir alles mit eigenen Augen anzuschauen.

    Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer (meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon lange geschieden und mein Vater war leider aus meinem Leben verschwunden) machte ich mich dann auf den Weg und besuchte Grüben (das nun Grabin heißt), lernte die einzige deutsche Familie kennen, die dort wohnen geblieben war und fand sogar das Haus meiner Großeltern. Es war völlig intakt und das polnische ältere Ehepaar, das darin wohnte, sehr, sehr gastfreundlich.
    Es war eine sehr bewegende Reise!

    Ich bin nun seit fast zehn Jahren in New Mexico, habe aber gelegentlich Telefonkontakt zu der Schwester meines Vaters, die – nun achtzig-jährig – sich immer noch gut an die Flucht aus Schlesien erinnern kann.

    Haben Sie vielen Dank für Ihren „nostalgischen“ Eintrag! Wenn Sie möchten, schreiben Sie mal, wo genau in Schlesien Sie geboren sind.
    Monika

  4. kowkla123 schreibt:

    0,ja, ich glaube wir sind im gleichen alter, mussten aus Ostpreußen raus und ich finde, man sollte sich daran erinnern, war keine schöne Kindheit, aber nun genieße ich eine schöne Rentnerzeit und bin dankbar dafür, Klaus

  5. Elke schreibt:

    Lieber Karl-Heinz,
    ich kenne das alles nur aus Erzählungen. Mein Bruder, der siebzehn Jahre älter ist als ich (Jahrgang 1936) hat das auch mitgemacht, ich als Nachkriegskind (1953) wurde ja schon im westdeutschen Wirtschaftswunder groß, wofür ich sehr dankbar bin.
    Lieben Gruß
    Elke

  6. Lieber Karl-Heinz,
    interessant zu lesen, wie es nach dem Krieg war, denn es gibt ja kaum noch jemand, der das authentisch erzählen kann. einige kommt mir bekannt vor, denn wir sind ja auch erst 1966 aus Schlesien (Peiskretscham) ausgereist. Ich kenne noch Buttermarken, die hatten meine Eltern als sie 1966 nach Klingenthal kamen. Unsere Kinder haben, Gott sei dank, diese Erfahrungen nicht machen müssen, der Wertschätzung wegen, sollten sie es aber wissen, wie es war.
    Im Übrigen sage ich immer, wenn einge so ihre Sprüche zu alten Zeiten bringen: „Ja, ja, früher war alles besser – sogar die schlechten Zeiten!“ 😉
    Herzliche Grüße aus dem -11 Grad C kalten Hoyerswerda sendet Micha – Der Brotbaecker

  7. minibares schreibt:

    Ich bin auch noch mit der Milchkanne zum Milchgeschäft gegangen, da wurde dann die Milch per großem Hebel von unten vermutlich in die Kanne gepumpt.
    Brot gabs beim Bäcker: eins zum Anschneiden und ein Frisches. Denn damals meinte man, frisches Brot sei ungesund.
    Die Läden kenne ich auch noch alle, lach.
    Diese Streiks um mehr Verdienst vestehe ich auch nicht.
    Eine Schraube ohne Ende!

    Liebe Grüße aus dem eiskalten Deutschland ♥

  8. kowkla123 schreibt:

    und wie lebt es sich dort im wilden Westen?, KLaus

  9. kowkla123 schreibt:

    wenn ich mich hier nicht so wohl fühlen würde, dann wäre das was für mich, alleine schon wegen der Tiere, alles Gute, KLaus

  10. Christa schreibt:

    Hallo Lieber Karl-Heinz,
    dass war eine interessante Schildung deiner Kindheit. Ich kenne es auch nur aus Erzählungen meiner Eltern.
    Zum Glück ist unseren Kindern so etwas bis jetzt erspart geblieben. Ich hoffe, die Jugend von heute weiß zu schätzen, wie gut sie es in der heutigen Zeit habt.
    Liebe Grüße auch an Ruth,
    Christa

  11. Brigitte schreibt:

    Lieber Karl-Heinz, sei herzlich gegruesst.
    Ich bin nur kurz am Compi, da wir in einer Umraeumphase sind und ich mich bei meinen Blog-Freunden zwischendurch mal melden will.
    Die Technikecke und das umfunktionierte ehemalige Kinderzimmer zum Hobbyraum, werden aufgeraeumt, umgeraeumt und vor allen Dingen vieles aussortiert. Die Entsorgung ist im vollen Gange. Wir werkeln langsam aber sicher und in Ruhe. Wolfgang kann nicht lange hintereinander.
    Ich hoffe, Ihr Zwei seid gesundheitlich gut beieinander. Wolfgang hatte 14 Tage einen gesundheitlichen Tiefpunkt, der sogar den Besuch in der Krankenhaus Notaufnahme notwendig machte. Das war aber vor unserer Raeumaktion. Jetzt geht dadurch alles langsamer.
    Hier sind heute -9 Grad, kein Wind, der aber in den vergangenen Tagen unangenehm eisig war. Gestern hatten wir Sonnenschein und blauen Himmel. Heute ist es bedeckt und dünne Schneefloeckchen taenzeln durch die Winterluft. Eine duenne Schneedecke haben wir auch seit Vorgestern.
    Ich bin auch noch als Kind mit der Milchkanne und der Lebensmittelkarte einkaufen gegangen.
    Mutter schneidete mir die Abschnitte aus, die benoetigt wurden und diese wurden mit der Bueroklammer zusammengehalten und ich bekam die Ermahnung von Muttern auf den Weg, Acht zu geben, nichts zu verlieren.
    Ich wünsche Euch Beiden eine schoene und gesunde Zeit bis wir uns wiederlesen.
    Tschuessi, winke, winke, Brigitte

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